Aktuelles von Pohlmann & Company

02.02.2023

Korruptions­wahrnehmungs-Index 2022 veröffentlicht

Transparency International hat am 31. Januar 2023 den aktuellen Korruptionswahrnehmungs-Index (Corruption Perceptions Index / „CPI“) für das Jahr 2022 veröffentlicht.


Zusammenfassung

  • Der CPI 2022 indiziert eine Stagnation der weltweit wahrgenommenen Korruption im öffentlichen Sektor. Wie bereits im Vorjahr erreichten zwei Drittel der untersuchten Länder nur eine Punktzahl von weniger als der Hälfte des erreichbaren Punktewerts (50) und weisen damit ein kritisches Korruptionsneigungsniveau auf. Auch der globale Punktedurchschnitt liegt mit 43 Zählern auf dem Vorjahresniveau.
  • Transparency International erörtert die Gefahren der Korruption als strategisches Instruments der Außenpolitik autokratischer Regime, die im Zuge des Angriffs auf die Ukraine deutlich zu Tage getreten sind.
  • Mit der Wertung von 79 Punkten erreichte Deutschland Platz 9 im internationalen Vergleich. Allerdings ist dies die niedrigste Punktzahl Deutschlands seit 2014.
  • Die seit 2016 mit einem sinkenden Score kämpfenden USA erreichen 69 Punkte, nachdem sie zwei Punkte hinzugewonnen haben, und klettern damit auf Rang 24 im internationalen Vergleich.
  • Die Ukraine macht bei der Korruptionsbekämpfung Fortschritte, die sich auch im CPI zeigen.

Überblick Korruptionswahrnehmungs-Index 2022

Die internationale Anti-Korruptionsorganisation Transparency International hat am 31. Januar 2023 den aktuellen CPI für das Jahr 2022 veröffentlicht. Dieser Index fasst die Ergebnisse von 13 Umfragen, Expertenbewertungen und Untersuchungen – durchgeführt von 12 unabhängigen Organisationen – zusammen, um die in Wirtschaft, Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption im öffentlichen Sektor von 180 Staaten zu messen. Er reicht von null Punkten („sehr korrupt“) bis 100 Punkten („sehr integer“).

Das Scoring des CPI erfolgt in vier Schritten: Auswahl der Datenquellen, Überführung der Ausprägungen in eine Skala von 0 bis 100, Berechnung des Durchschnitts dieser Datenquellen, welcher schließlich um die Standardabweichung ergänzt wird. Die Zuverlässigkeit aller Datenquellen wird nach bestimmten, von TI entwickelten Kriterien, geprüft. Dadurch wird aber nicht die potenzielle Gefahr einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung ausgeschlossen, weil die Erwartung korrupter Handlungen in einem Land immer auch die Korruptionswahrnehmung bestimmt. Länder des sog. „globalen Südens“ laufen hierdurch Gefahr, schlechter bewertet zu werden als die Situation tatsächlich ist und vice versa könnte sich auch ein positiv verzerrtes Bild der Situation im sog. „globalen Norden“ ergeben.

Analog zu den Erkenntnissen aus dem Vorjahr ermittelt Transparency International für das Jahr 2022 eine weltweite Stagnation der wahrgenommenen Korruption. Im dritten Jahr der COVID-19-Pandemie ist bei 124 der 180 im CPI 2022 betrachteten Ländern keine Veränderung der Bewertung im Vergleich zum Vorjahr festzustellen. 31 Länder erhielten ein niedrigeres Rating, im Gegensatz zu lediglich 25 Ländern, die ihren CPI-Score verbessern konnten. So erreichen immer noch mehr als zwei Drittel der untersuchten Länder eine Punktzahl von weniger als 50 Punkten, während nur acht Ländern in den letzten fünf Jahre wahrnehmbare Fortschritte in der Korruptionsbekämpfung gelangen. Der globale Durchschnitt liegt wie bereits in den Vorjahren bei lediglich 43 von 100 Punkten.

Korruptes Verhalten und Sicherheitsbedrohungen auf der ganzen Welt

Transparency International stellt im Report zum CPI 2022 die These auf, dass Korruption und Konflikte sich gegenseitig nähren und damit den Weltfrieden bedrohen. Faktoren wie politische Instabilität, erhöhter Druck auf die Ressourcen und geschwächte Aufsichtsorgane schaffen Möglichkeiten für Korruption. Daher ist es nicht überraschend, dass die meisten Länder, die im CPI-Ranking schwach abschneiden, momentan Teil eines bewaffneten Konflikts sind oder vor kurzem waren. Die Gefahren strategischer Korruption als Instrument der Außenpolitik autokratischer Regime wurde in den vergangenen Jahren mehr und mehr sichtbar und gipfelt nun im Angriff Russlands auf die Ukraine.

Allerdings auch in friedlichen Gesellschaften hat die Korruption schwere Folgen, indem sie soziale Missstände schürt. Die Abschöpfung von Ressourcen der Sicherheitsbehörden führt dazu, dass die Staaten nicht in der Lage sind, die Öffentlichkeit zu schützen und die Rechtsstaatlichkeit aufrechtzuerhalten, was die organisierte Kriminalität und erhöhte Sicherheitsbedrohung fördert.

In diesem Zusammenhang gibt Transparency International vier Empfehlungen zur Bekämpfung von Korruption:

  1. Stärkung und Förderung der Gewaltenteilung
  2. Informationsaustausch und Aufrechterhaltung des Rechts auf Zugang zu Informationen
  3. Begrenzung des privaten Einflusses durch die Regulierung von Lobbying und Förderung des offenen Zugangs zur Entscheidungsfindung
  4. Bekämpfung transnationaler Formen der Korruption

Entwicklung der Korruptionswahrnehmung

Insgesamt wird Korruption im öffentlichen Raum in Westeuropa und der EU mit einem Durchschnittswert von unverändert 66 Punkten am wenigsten als ein Problem wahrgenommen. Deutlich schlechter stellt sich die Situation in Subsahara-Afrika (32 Punkte), Osteuropa und Zentralasien (35 Punkte), dem Mittleren Osten und Nordafrika (38 Punkte), und Asien (45 Punkte) dar, aber auch die USA und Lateinamerika können lediglich 43 Punkte im Länderdurchschnitt erzielen.

Spitzenreiter im CPI 2022 sind Dänemark mit 90 Punkten nach 88 Punkten in 2021, Finnland und Neuseeland mit 87 Punkten und Norwegen (84 Punkte) sowie Schweden und Singapur (jeweils 83 Punkte).

Die Schlusslichter im Ranking des CPI 2022 sind Somalia (12 Punkte), Südsudan und Syrien (jeweils 13 Punkte). Innerhalb dieser Gruppe ergaben sich kaum Änderungen im Vergleich zum Vorjahr.

Im Zeitraum von 2018 bis 2022 verzeichneten Kanada und Vereinigtes Königreich mit einem Verlust von jeweils 7 Punkten den stärksten Absturz. Des Weiteren verlor Österreich im gleichen Zeitraum 5 Punkte, Malaysia und Pakistan jeweils deren 6 Punkte. In den letzten zehn Jahren haben die Türkei und Ungarn am meisten Punkte eingebüßt (jeweils 13 Punkte), was auf die Beschneidung der Unabhängigkeit von Justiz und Medien sowie der Unterdrückung der Zivilgesellschaft zurückzuführen ist.

Auffällig sind dagegen die Punktgewinne von Angola, Malediven, Vietnam, Moldau und Südkorea, die jeweils 6 und mehr Punkte in den letzten fünf Jahren hinzugewonnen haben.

Situation in Deutschland

Der Korruptionswahrnehmungsindex zeigt, dass Deutschland seit zehn Jahren bei der Korruptionsbekämpfung nicht entscheidend vorankommt. Der leichte Punktverlust Deutschlands hängt mit Skandalen wie der Maskenaffäre, dem Cum-Ex Steuerbetrug sowie der Aserbaidschanaffäre zusammen. Laut Transparency International bestätige der Korruptionswahrnehmungsindex den gesetzgeberischen Handlungsbedarf, vor allem im Rahmen des Gesetzes zur Abgeordnetenbestechung.

Auswirkungen des Korruptionswahrnehmungsindex für Unternehmen

Die Ergebnisse des aktualisierten CPI sind auch im Unternehmensalltag zu berücksichtigen, denn sie liefern wichtige Risikoindikatoren für Compliance-Risiko-Analysen und risiko-basierte Geschäftspartnerprüfungen, welche beide wesentliche Elemente eines effektiven und effizienten Compliance Management Systems sind. Insbesondere Geschäftsbeziehungen in Länder, deren Punktezahl oder Platzierung sich auffällig verschlechtert haben, sollten kritisch überprüft werden, da sich daraus neue oder erhöhte Compliance-Risiken entwickelt haben können.

Gerne beraten und unterstützen wir Sie bei Ihrer Compliance-Risiko-Analyse oder risiko-basierten Geschäftspartnerprüfungen. Weitere Informationen und Kontakt zu unseren Ansprechpartnern erhalten Sie hier.

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