Eine Region im Schatten zweier Krisen
Wenn von humanitären Krisen in Afrika die Rede ist, steht derzeit vor allem ein Land im Fokus: der Sudan. Seit April 2023 tobt dort ein Bürgerkrieg zwischen den Sudanesischen Streitkräften (SAF) und der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF), der nach Einschätzung der Vereinten Nationen die größte humanitäre Krise weltweit darstellt. Über 12 Millionen Menschen sind auf der Flucht, fast die Hälfte der Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe angewiesen. Hunger wird systematisch als Waffe eingesetzt, ganze Regionen von der Versorgung abgeschnitten.
Doch die Auswirkungen dieser Katastrophe enden nicht an den Landesgrenzen. Sie treffen besonders hart ein Land, das selbst seit Jahren mit massiven Herausforderungen kämpft: den Südsudan.
Der Südsudan: Zwischen eigener Instabilität und Flüchtlingskrise
Der Südsudan, 2011 nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg unabhängig geworden, hat nie wirklich zur Ruhe gefunden. Interne Konflikte, wirtschaftliche Instabilität, extreme Klimaereignisse wie Überschwemmungen und Dürren sowie eine schwache staatliche Infrastruktur prägen den Alltag der Menschen. Rund 6,3 Millionen Menschen – etwa die Hälfte der Bevölkerung – leiden unter Ernährungsunsicherheit.
Nun kommt eine zusätzliche Belastung hinzu: Über 878.000 Menschen sind seit Ausbruch des Sudan-Konflikts in den Südsudan geflohen. Darunter sind sowohl Südsudanesen, die einst vor Konflikten im eigenen Land in den Sudan geflohen waren und nun zurückkehren, als auch sudanesische Staatsangehörige, die Schutz suchen. Diese massive Fluchtbewegung belastet die ohnehin fragile Infrastruktur enorm. Ressourcen wie Wasser, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung werden noch knapper. In Flüchtlingslagern wie dem Gorom-Lager, etwa 25 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Juba, leben Tausende Menschen unter prekären Bedingungen.
Die Arbeit der Malteser
In dieser komplexen Gemengelage arbeiten die Malteser Hilfsdienste seit 1996 im Südsudan. Ihre Strategie ist bewusst auf Nachhaltigkeit ausgelegt: Statt nur kurzfristige Nothilfe zu leisten, setzen sie auf Programme, die Strukturen aufbauen und Menschen befähigen, ihre Lebensgrundlagen langfristig zu sichern.
Die Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in drei zentralen Bereichen:
Wasser, Sanitär und Hygiene (WASH): In einem Land, in dem sauberes Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit ist, bauen und sanieren die Malteser Brunnen und sanitäre Anlagen. Sie führen Hygieneschulungen durch, um Krankheiten wie Cholera vorzubeugen – eine ständige Bedrohung in Regionen mit mangelnder Wasserversorgung.
Ernährungssicherung und Landwirtschaft: Die Malteser unterstützen Familien dabei, ihre landwirtschaftliche Produktion wiederaufzunehmen oder zu verbessern. Durch Saatgut, Werkzeuge und Schulungen werden sie in die Lage versetzt, sich selbst zu versorgen, statt dauerhaft von Lebensmittelhilfen abhängig zu bleiben.
Gesundheit: In einem Land mit kaum funktionierender Gesundheitsinfrastruktur bieten die Malteser medizinische Basisversorgung und Präventionsprogramme an. Gerade in schwer erreichbaren Regionen und in Flüchtlingslagern ist diese Arbeit überlebenswichtig.
Im Gorom-Flüchtlingslager nahe Juba leisten die Malteser konkrete Basisversorgung für Binnenvertriebene und Geflüchtete aus dem Sudan. Hier kommen alle drei Arbeitsbereiche zusammen: Zugang zu sauberem Wasser, medizinische Versorgung und Unterstützung beim Aufbau einer neuen Existenz.
Warum wir helfen wollen
Als Kanzlei für Compliance und Governance mag unser Tätigkeitsfeld auf den ersten Blick weit entfernt von humanitären Krisen in Ostafrika erscheinen. Doch unser Arbeitsalltag ist geprägt von Fragen nach Verantwortung, nach Strukturen, nach Rechtsstaatlichkeit. Wir beraten Unternehmen dabei, wie sie integer handeln, wie sie Risiken erkennen und wie sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden.
Diese Werte enden nicht an unserer Bürotür oder an Ländergrenzen. Verantwortung bedeutet auch, dort aktiv zu werden, wo Strukturen fehlen, wo Rechtsstaatlichkeit brüchig ist und wo Menschen in akuter Not sind. Der Südsudan ist ein Ort, an dem all diese Faktoren zusammenkommen – und an dem konkrete Hilfe einen messbaren Unterschied macht.
Wir haben die Malteser Hilfsdienste daher mit einer Spende von 10.000 Euro unterstützt. Diese Mittel fließen direkt in die laufenden Programme vor Ort. Wir machen uns keine Illusionen: Diese Summe löst nicht die systemischen Herausforderungen, mit denen der Südsudan konfrontiert ist. Aber sie erreicht Menschen in akuter Not und gibt ihnen konkrete Perspektiven – sei es durch Zugang zu sauberem Wasser, medizinische Versorgung oder die Möglichkeit, wieder selbst für ihre Familien zu sorgen.
Was uns an der Arbeit der Malteser überzeugt, ist ihr Ansatz: Sie setzen nicht auf schnelle Lösungen, sondern auf nachhaltige Veränderung. Sie arbeiten eng mit lokalen Gemeinschaften zusammen, verstehen die Kontexte vor Ort und passen ihre Programme entsprechend an. Nach fast 30 Jahren Präsenz im Südsudan verfügen sie über ein Netzwerk und ein Wissen, das kurzfristig engagierte Organisationen nicht aufbauen können.
Der Südsudan ist eine vergessene Krise in einer Region, die von einer noch größeren Katastrophe überschattet wird. Doch die Menschen dort verdienen Aufmerksamkeit, Unterstützung und vor allem: eine Perspektive. Die Malteser leisten diese Arbeit Tag für Tag. Und wir möchten gerne einen kleinen Teil dazu beizutragen.
Weitere Informationen zur Arbeit der Malteser im Südsudan finden Sie unter: malteser-international.org
